Übernachtung auf der Schmidtburg, Soonwald wandernsteig

Meine erste alleinige Wanderung über mehrere Tage

Beim Soonwald-Steig handelt es sich also um einen, wie beschreibe ich das am Besten? Es ist ein Steig, der gut zu wandern ist, jedoch hat er auf seiner Strecke manche Steigungen, die einem Klettersteig sehr nahe kommen. Trotzdem ist der Soonwald-Steig ohne Ausrüstung begehbar. Er liegt im Bundesland Rheinland-Pfalz und hat offiziell eine Länge von etwa 86 km. Verläuft man sich jedoch und macht mal hier und dort einen Abstecher zu einer Sehenswürdigkeit, könnten es auch mal 100 km werden – je nachdem wie weit man abschweift.
Als ich mich auf den Weg machte, ging ich von einer mittelschweren Wanderung aus und packte nur mäßig bedacht meinen Rucksack.

Er war viel zu schwer, wie sich später herausstellen sollte…

Von Kirn zur Schmidtburg

Bei sommerlichen Temperaturen begann die Wanderung in Kirn, der Ort in dem ich mich, wie sollte es anders sein, gleich mal verlaufen habe. Das mit dem Schilder lesen wurde immerhin zum Ende der Tour hin sehr viel besser. Die Beschilderung an sich war gut, nur wusste ich überhaupt nicht in welche Richtung ich musste und fand mich prompt bei der Kryburg wieder. Die ist zwar recht nett anzusehen, doch mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich nicht auf der richtigen Route bin. Die Schilder zeigten Richtung Bergen. Jetzt verstand ich auch, was der ältere Mann zu mir sagte, als er von “Bergen” sprach, als ich ihn fragte, ob es der richtige Weg nach Bingen sei. Das ich Berge vor mir hatte war mir ja schon klar. Also interpretierte ich seine Auskunft so für mich, dass ich auf dem richtigen Weg sei und mich Berge erwarteten. So lief ich voll motiviert den Berg hoch, schaute mir die Kryburg an und lief dann wieder hinunter, um erneut vom Zentrum Kirn aus zu starten.


Nach einigen Tagen wurde die Orientierung so automatisiert, dass ich nicht mehr lange darüber nachdenken musste und stur den Schildern folgen konnte. Ist man erst einmal auf der richtigen Route, läuft alles automatisch. Dass nun nicht gleich das Ziel Bingen ausgeschildert ist, hätte auch mir klar sein können …

Die Wasserversorgung – eine nicht zu unterschätzende Herausforderung

Nach einiger Zeit steuerte ich auf meine erste Raststätte zu, die Schloss Wartenstein werden sollte. Dort wollte ich zu Mittag essen und meine Wasserflasche neu auffüllen. Schloss Wartenstein ist ein sehr wichtiger Punkt, wenn es darum geht sich mit Trinkwasser zu versorgen. Aus Erzählungen war mir bekannt, dass die Wasserversorgung nur mäßig sei und nicht alle Bachläufe geeignet sind, um daraus trinken zu können. Für diese Tour sollte auf jeden Fall ein Wasserfilter mitgenommen werden.

Vor Reiseantritt recherchierte ich also was es damit auf sich hatte. Man hat tatsächlich nur die Option sich aus einem Bachlauf zu bedienen oder aber das “Netz der offenen Wasserhähne” zu nutzen. Bei dem Netzwerk handelt es sich um Öffentliche Einrichtungen oder Privatpersonen, die einen Wasserhahn mit Trinkwasser an oder in ihren Gebäuden für Wanderer zur Verfügung stellen. Eine wirklich tolle Initiative, die auch wirklich notwendig ist.

Ich druckte mir also die Wasser-Stationen aus und zeichnete sie in meine Wanderkarte (Seite 2, im Pocket-Guide, auf A3 ausgedruckt) ein.

Schloss-Wartenstein, Soonwald-Steig Kirn-Bingen, Netzwerk offener Wasserhähne

Auf einer Mauer sitzend machte ich nun meine erste Rast, bevor es weiter zur Schmidtburg ging, die meine erste Unterkunft für die Nacht sein sollte.

Auf dem Weg dorthin überwindete ich bereits einige Steigungen und merkte das mir langsam, nach etwa 20 km die Puste ausging. Auf dem Weg zum Forellenhof, versperrten einige entwurzelte Bäume den Weg. Mühevoll, ganz langsam und bedacht stieg ich den steilen Hang hinauf, damit ich um die Bäume herumlaufen konnte. Ein darüber klettern war undenkbar. Der Rucksack war sehr schwer. Bei dem Forellenhof, eine sehr schön angelegte Hotel-Anlage hat man ebenfalls die Möglichkeit die Trinkflasche mit Wasser zu füllen. Nachdem ich diesen hinter mir lies erwartete mich die letzte Steigung, von der ich bereits hörte. Es sollte steil nach oben gehen. Mangelnde Motivation und eintretende Müdigkeit überredeten mich schnell die Steigung links liegen zu lassen und die geteerte Straße mit wenig Steigung zu nehmen, um zur Schmidtburg zu gelangen.


Die Anstrengung hat sich gelohnt, das alte Gemäuer und dieser atemberaubende Ausblick über die Baumwipfel des Soonwaldes ließen die körperlichen Strapazen los und es stellte sich sofort Entspannung ein.

Abendliche Routine finden

Mit dem Aufbau des Zeltes hatte ich noch so meine Schwierigkeiten und es dauerte seine Zeit bis es, gut vor Wind geschützt, stand und ich mich sortiert hatte. Als nächstes war der Plan mich mit Wasser zu versorgen. Von Erzählungen wusste ich, dass es auch hier einen Wasserhahn geben sollte, der zum Trekking-Camp gehört. Ich fand ihn vorerst nicht und traf auf zwei weitere Wanderer, die genau wussten wo er sich befand. Ich dachte nur so: „Cool, läuft alles wie am Schnürchen” – bis ich den Hahn aufdrehte und nicht mal ein einziger Wassertropfen an der Hahn-Öffnung klebte. Mist. Die Vermutung liegt Nahe, dass das Wasser, aufgrund der Corona-Krise, abgestellt wurde. Ich informierte also das Pärchen, dass um die 12 Liter mit sich herumschleppte und bekam eine 1,5 Liter-Flasche von ihnen. Auch wenn der Hahnebach als ein sauberes Gewässer gilt, war ich dankbar noch nicht meinen Wasserfilter ausprobieren zu müssen.

Mein Abend war gerettet. Es durfte gekocht werden. Zum ersten Mal in meinem Leben bediente ich meinen eigenen kleinen Gaskocher und war nicht wenig erstaunt, dass alles ohne Probleme funktionierte. So, als würde ich das alles schon ein Leben lang machen. Auf Empfehlung gab es CousCous mit Feta-Käse.

Gemütlich gab es dann noch eine Katzenwäsche mit Feuchttüchern und eine Bürstenbehandlung, um die Durchblutung anzuregen und möglichen Muskelkater vorzubeugen. Schlafenszeit. In der Nacht wurde es sehr kalt und ich fror. Der Schlafsack musste für die nächste Wanderung unbedingt überdacht werden …

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